Die Glinder Chronik – oder von der Mühle zur Stadt

Bei einem Blick in die Geschichte schauen wir zumeist auf einen bestimmten Moment in der Vergangenheit – die Historie einer Stadt, einer Region oder einer bestimmten Institution macht aber mehr aus. Kontinuität und Wandel sind die Schlagworte mit denen sich historische Prozesse beschreiben lassen. 

Die Glinder Mühle Foto: Stadt Glinde
Die Glinder Mühle Foto: Stadt GlindeStadt Glinde

Der älteste bekannte Nachweis datiert Glinde auf das Jahr 1229. In einer Urkunde tritt Graf Adolf  IV. von Holstein das Dorf Glinde mit sämtlichen Abgaben an das Zisterzienserinnen-Kloster ab. Jenes Kloster nahm später den Namen Reinbek. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgelöst. Die Nonnen verkauften es an den König von Dänemark und Herzog von Holstein Friedrich I.

Sein Nachfolger, Christian III., teilte seinen Besitz in Schleswig-Holstein 1544 mit seinen beiden Brüdern. Der einstige Klosterbesitz Glinde kam so unter die Herrschaft des Herzogs Adolf I. von Schleswig-Holstein. Dieser bildete daraus das Amt Reinbek, das, mit einigen Änderungen, rund 400 Jahre bestand hatte. Aus dem herzoglichen Amt wurde 1773 das königliche Amt des dänischen Gesamtstaates.

Zu dieser Zeit erlebte die Glinder Mühle als Hammermühle zur Verarbeitung von Rohkupfer ihre große Zeit. Nach dem Krieg von 1864 annektierte Preußen die beiden Herzogtümer (1867) und formte daraus eine neue Provinz. In der Zeit bis 1867 waren in erster Linie die vom König bestellten Oberbeamten Träger der örtlichen Verwaltung. Auf den Dörfern waren die Bauernvögte die Vertreter der Obrigkeit und Träger der bäuerlichen Selbstverwaltung. 

Das Glinder Gutshaus Foto: Stadt Glinde
Das Glinder Gutshaus Foto: Stadt GlindeStadt Glinde

Unter preußischer Herrschaft wurde dies geändert. So wurden in der neuen Provinz verschiedene Landkreise gebildet. Aus den alten Ämtern Reinbek, Trittau und Tremsbüttel sowie weiteren Gebieten bildete man den Landkreis Stormarn. Auf kommunaler Ebene wurde eine Gemeindevertretung mit Vorsteher eingeführt. Der Gemeindevorsteher wurde von der Gemeindeversammlung gewählt und führte deren Beschlüsse aus. Er war aber auch ein Organ der Obrigkeit. Die Aufsicht über die Landgemeinden führten die Landräte. Die einzelnen Gemeinden eines Landkreises wurden anfangs in Kirchspielvogteien, später in Amtsbezirken zusammengefasst.

Glinde wurde 1896 aus dem Amtsbezirk Reinbek aus- und in den Amtsbezirk Ohe eingegliedert. Das Dorf Glinde war rein von der Landwirtschaft geprägt. Mit dem Ausbau eines Gutes, besonders unter der Regie von Franz Rudorff bzw. auch Sönke Nissen bekam das Gut eine beherrschende Stellung im Ort. Rudorff hatte es auf Milchproduktion spezialisiert und verkaufte sie bis nach Hamburg. Aufgrund der hohen Hygienestandards konnte er die Milch als Sanitätsmilch verkaufen.

Die Jahre zwischen 1939 und 1945 veränderten das Dorf nachhaltig. Das so genannte Groß-Hamburg-Gesetz „rückte” Glinde 1937 an die Stadtgrenze von Hamburg. Durch diverse Rüstungsvorhaben der Nazis, wurde aus Glinde ein Industrie- und ein Militärstandort. Im  Süden entstand ein Werk für den Bau von Kurbelwellen und im Ort selber ein Heereszeugamt (HZA). Aus dem Dorf mit einem Milchgut war nun ein Standort für Industrie und Militär geworden. 

Das Wappen vom Heereszeugamt Foto: Stadt Glinde
Das Wappen vom Heereszeugamt Foto: Stadt GlindeStadt Glinde

Mit dem Kriegsende 1945 übernahm die Militärregierung die oberste Regierungsgewalt, übte die Kontrolle über die Tätigkeit der Gemein den aus und ernannte Bürgermeister und Ratsmitglieder. Im September 1946 fanden dann erstmals wieder freie Wahlen zum Gemeinderat statt. Diese an sich erfreuliche Entwicklung kümmerte in Glinde kaum jemanden. Denn mit dem Abzug des Militärs und der Stilllegung des Kurbelwellenwerks, hatte man zwei wichtige Arbeitgeber verloren.

Dazu war Glinde, wie auch alle anderen Dörfer in Stormarn, mit Flüchtlingen und Vertriebenen überlaufen. Lag  im September 1940 die Einwohnerzahl bei 2500, so war sie 1950 auf 5700 angestiegen. Den Krieg selber überstand Glinde, abgesehen von einem Bombenangriff im Oktober 1944 auf das HZA, unbeschadet. Nach dem 2. Weltkrieg siedelten sich im ehemaligen Kurbelwellenwerk und an anderen Stellen verschiedene Gewerbe an. Das Bundeswehrgerätedepot, welches dem HZA folgte, wurde allerdings 2005 aufgelöst. 2008 entstand auf diesem Gelände ein neuer Stadtteil für knapp 2000 Bürger.

Das Amt Glinde wurde 1978 aufgelöst und anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung vor 750 Jahren bekam der Ort 1979 das Stadtrecht verliehen. Seit Oktober 2009 bildet Glinde zusammen mit Reinbek und Wentorf ein Mittelzentrum in der Region.

Heute leben in Glinde rund 18.651 Menschen. Mit seiner Nähe zu den Autobahnen A1 und A24 sowie zur Metropolregion Hamburg, ist Glinde heute ein attraktiver Gewerbestandort. Mehr als 1290 Betriebe sind hier mittlerweile angesiedelt. Glinde verfügt über drei bestehende Gewerbegebiete, wichtige Infrastrukturen, gewachsene Wohngebiete sowie viele Freizeitangebote. Neben dem Mühlenmuseum gibt es in Glinde ein städisches Theater, das für kulturelle Abwechslung sorgt sowie das Gemeinschftszentrum der Sönke-Nissen-Park-Stiftung im alten Gutshaus. Das Mühlenteichgelände, der Friederici-Park, die Glinder Au sowie der Stadtwald laden zu Spaziergängen in der Natur ein. Auf dem ehemaligen Bahndamm der stormarnschen Kreisbahn erreicht man von Glinde aus mit dem Fahrrad die Stormarnsche Schweiz. In der Ortsmitte laden Geschäfte sowie der mittwochs und samstags stattfindende Wochenmarkt zum Einkaufsbummel ein. Zu den Veranstaltungshöhepunkten zählt das Marktfest im Sommer.

Kurbelwelle erinnert an Industriestandort und Zwangsarbeit

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