Zimmermann-Gesellen auf der Walz stoppen im Glinder Rathaus

Die 20- und 21-jährigen jungen Männer sind noch rund 2,5 Jahre unterwegs um zu lernen und die Welt zu erkunden. Im Rathaus wurden sie herzlich empfangen.
Besucherinnen und Besucher im Rathaus haben normalerweise ein konkretes Anliegen an die Verwaltung. Manchmal sind sie aber auch auf der Durchreise. Am Montagvormittag (30.03.2026) standen plötzlich zwei Wandergesellen vor dem Büro des Bürgermeisters. Paul Hügel (20) aus Freiburg und Merlin Jesse (21) aus Gifhorn sind Zimmermannsgesellen und seit knapp einem halben Jahr auf der Walz. Mit schwarzer Cordkluft, einem kleinen Bündel unter dem Arm und einem Wanderstock in der Hand wurden sie eingelassen. Sie trugen einen Spruch vor und baten um eine kleine Reiseunterstützung.
In den vergangenen Monaten waren die beiden schon in Süddeutschland, auch Österreich unterwegs und haben dort erste Erfahrungen gesammelt. Es liegen noch zweieinhalb Jahre Walz vor den beiden. Dabei haben sie sich große Ziele gesetzt. Paul Hügel möchte Norwegen, Canada und Thailand kennenlernen. Merlin Jesse will unteranderem Japan und Schottland erreichen.
Die Walz dauert drei Jahre und einen Tag. Die Reise begann mit dem Klettern über das Ortsschild des Heimatortes. In der folgenden Zeit müssen die Gesellen einen Abstand von mindestens 50 Kilometern vom Heimatort halten. Sie haben keine technischen Geräte dabei, wie ein Smartphone. Zur Familie halten sie Kontakt per E-Mail von öffentlichen Geräten aus Büchereien oder bei Unternehmen, bei denen Sie arbeiten. Wandergesellen der Zimmerleute müssen unter 27 Jahre alt sein, dürfen keine Kinder haben, müssen unverheiratet und schuldenfrei sein. Sie kommunizieren mit anderen Wandergesellen über ein geheimes Netzwerk. Wenn sie für ein Unternehmen arbeiten, bleiben sie meist ein paar Monate, um etwas Neues zu lernen. Dafür erhalten sie selbstverständlich auch einen Lohn. Es ist üblich, dass Wandergesellen für auf ihren Reisen kein Geld für Übernachtung und Fortbewegung ausgeben dürfen. Sie sind auf die Unterstützung von anderen angewiesen. Unterkunft und Versorgung erhalten sie meist an bekannten Punkten.
Nachdem Paul Hügel und Merlin Jesse etwas über ihre Wanderschaft berichtet hatten, haben sie das Rathaus mit einer kleinen Unterstützung wieder verlassen. Das Verwaltungsteam wünscht viel Erfolg für die Vorhaben und immer hilfsbereite Menschen auf der Reise.