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Tag der Befreiung – Glinde gedenkt der Opfer des Zweiten Weltkriegs

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Bürgermeister Patrick Klose steht vor einem kupferfarbenen Glinder Wappen.
Bürgermeister Patrick Klose

Bürgermeister Patrick Klose erinnert und mahnt zur Wachsamkeit gegenüber extremistischen Tendenzen. Glinde war Teil der Kriegsmaschinerie und muss sich weiterhin diesem Erbe stellen.

Der 8. Mai 1945 gilt als die sogenannte „Stunde Null“. An diesem Datum endete der Zweite Weltkrieg. Die deutsche Wehrmacht kapitulierte bedingungslos. Deutschlands demokratische Zukunft konnte beginnen. Der Tag markiert damit einen der wichtigsten Punkte in der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. Seit 2021 ist der 8. Mai deshalb ein offizieller Gedenktag in Schleswig-Holstein.

Glinde war vor dem Zweiten Weltkrieg ein kleines Dorf. Zwischen 1939 und 1945 wuchs es durch diverse Rüstungsvorhaben der Nationalsozialisten zu einem Industrie- und Militärstandort. Im Süden entstand ein Werk für den Bau von Kurbelwellen für Flugzeuge und im Ort selbst ein Heereszeugamt (HZA). Dort wurden beispielsweise Artilleriematerial, Fahrzeuge und Panzer gelagert. Somit war Glinde Teil des Krieges. Im Lager Wiesenfeld waren Tausende Fremd- und Zwangsarbeiter beschäftigt. Die Bedingungen für sie waren eher lebensfeindlich als förderlich. Den Krieg überstand Glinde, abgesehen von einem Bombenangriff im Oktober 1944 auf das HZA, nahezu unbeschadet. Erst spät wurde die Geschichte aufgearbeitet. Nur wenige Spuren und Gebäude sind erhalten geblieben.

Glinde war Teil der Kriegsmaschinerie. Die Stadt müsse sich diesem Erbe stellen und die Erinnerung wachhalten, so Bürgermeister Patrick Klose. Er erklärt: „Die Geschichte verpflichtet uns, hinzusehen. Die Menschenwürde darf nie wieder infrage gestellt werden. Hass darf nicht über Menschlichkeit gestellt werden. Die Kriegstoten und die Leiden der Opfer von Gewalt, Verfolgung, Ausbeutung und Vertreibung bleiben unvergessen.“ Weiter sagt Patrick Klose: „Ich durfte in einem demokratischen Land aufwachsen und ich bin froh, dass wir aus dem wohl dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte Dinge gelernt haben.“ Und er meint: „Wir sollten uns bewusstmachen, dass die Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Demokratie heißt nicht, dass jeder bekommt, was er will. Demokratie bedeutet, Kompromisse zu machen, gemeinsames Handeln für alle im Blick zu haben.“ Wir würden in einer komplexen Welt leben, merkt Bürgermeister Patrick Klose an. „Deshalb sollten wir uns alle die Frage stellen, wie glaubhaft sind Menschen oder Parteien, die uns einfache Lösungen versprechen, die andere verachten, aufgrund ihrer Herkunft, die Hass und Hetze fördern, die Unwahrheiten verbreiten, die gegen die Demokratie, die Gesellschaft arbeiten?“ Er fordert: „Geschichte darf sich nicht wiederholen! Wir müssen uns für unsere Freiheit einsetzen.“