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Kurbelwelle erinnert an Industriestandort und Zwangsarbeit

Kategorie: Nachrichten

Von: Christina Kriegs-Schmidt

Fotos: Stadt Glinde/Kriegs-Schmidt

Als Dauerleihgabe ist eine Kurbelwelle aus dem einstigen Kurbelwellenwerk in Glinde im Glinder Rathaus ausgestellt. Zu bewundern ist die technische Leihgabe im Wartebereich des Bürgeramtes im 1.OG.

Die Kurbelwelle, die einst für einen Flugzeugmotor gebaut wurde, war Teil einer Ausstellung, die im Jahr 2014 in Glindes Bürgerhaus zum Thema Kurbelwellen gezeigt wurde  und die über die Geschichte Glindes vom Dorf zum wichtigen deutschen Industriestandort informierte.

Das Ausstellungsstück ist eigentlich  im Luftwaffenmuseum in Berlin  beheimatet und wurde nun nach Glinde dauerhaft ausgeliehen. Glindes Archivar Dr. Carsten Walczok ließ es sich nicht nehmen, die Leihgabe persönlich aus Berlin in den ehemaligen Kurbelwellenwerk-Standort zu holen. „Als ich nach Glinde kam, war mir die Brisanz des Themas gar nicht bewusst. Die Idee von mir und Glindes Bürgermeister Rainhard Zug war, so eine Kurbelwelle fest nach Glinde zu holen und ich habe überlegt, wo kriege ich eine  her? Ich fragte beim Luftwaffenmuseum in Berlin-Gatow und wurde fündig. Wir haben die Kurbelwelle in unseren Fiat gepackt und sind damit nach Glinde gefahren“, so Dr. Carsten Walczok über diese besondere Dienstreise.
Ins Rollen gebracht hatten die Idee auch Gerrit Oswald, Ingenieur  und Hobbyhistoriker Heinz Juhre. Geschichtlich mit ein brachte sich später  noch Hans-Jürgen Preuß von der Geschichtswerkstatt.

Rund 3.000 Kurbelwellen wurden von den 1930-er Jahren bis 1945 hier  monatlich produziert und machten aus dem Dorf Glinde in kürzester Zeit einen wichtigen deutschen Industriestandort. Die hier produzierten Kurbelwellen übertrugen die Kräfte aus dem Brennraum auf Rad-,Luft,- oder Schiffsschraube und waren wichtige Bauteile der Motoren und somit der Mobilmachung der Luftwaffenindustrie, denn für die Bomber, Aufklärer und Jagdflugzeuge brauchte man leistungsstarke Flugzeugmotoren.

Die Kurbelwellen die  in Glinde gebaut wurden, waren hierfür wichtige Präzisionsteile. „Das war Präzisionsarbeit und es wurde darauf geachtet, dass die Leute die Arbeit auch machen konnten. Die Arbeit verlangte Verstand und Geschick“, so Dr. Carsten Walczok.

Das Kurbelwellenwerk Hamburg hier in Glinde, auch „KUHA“ genannt, war eine der größten Kurbelwellenfabriken  überhaupt. Kriegsbedingt waren hier in Glinde  in den Jahren 1942 bis 1945 tausende Fremd- und  Zwangsarbeiter für die Kurbelwellenproduktion eingesetzt und im Arbeitslager Wiesenfeld untergebracht.

„Ich bin stolz, dass wir das geschafft haben, das hier zu zeigen. Die Stadt Glinde ist sich ihrer besonderen Verantwortung gegenüber ihrer Vergangenheit bewusst und möchte deshalb mit der Kurbelwelle an diesen wichtigen Moment der Ortsgeschichte erinnern“, so Bürgermeister Rainhard Zug abschließend.

Wer mehr über die Geschichte der Kurbelwellenproduktion in Glinde erfahren möchte, kann Wissenswertes in der Broschüre „Kurbelwellen aus Glinde – Ein Stück Stadt- und Industriegeschichte“ nachlesen. Das Begleitheft zur damaligen Ausstellung wurde vom Stadtarchiv Glinde herausgegeben. Erhältlich ist die Broschüre gegen eine Schutzgebühr an der Information der Stadtverwaltung, Telefon 040-710 02 0.


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