Frauen- und Mädchenpolitik

Wenn in unserer Gesellschaft die Chancen für Frauen und Männer tatsächlich gerecht verteilt sein sollen, ist es wichtig, den Blick auf Mädchen und junge Frauen ebenso, wie auf Jungen und junge Männer zu richten. Sie sind die Frauen und Männer der Zukunft und können viel gewinnen durch feministische und emanzipatorische Impulse in den Bildungs- und Jugendeinrichtungen. Durch gesellschaftliche Debatten wie zum Beispiel um die „Bildungsverlierer Jungen“ www.bundesjugendkuratorium.de ist diese Arbeit immer wieder auf dem Prüfstand und bereits errungene Standards müssen verteidigt werden. 

Kommunale Gleichstellungsbeauftragte arbeiten daran mit, Bedingungen zu schaffen, die eine für alle Geschlechter faire Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ermöglichen und sichern. Deshalb ordnet die Landesarbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Schleswig-Holstein immer eine Kollegin in die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in Schleswig-Holstein maedchen-und-meehr.de ab.

Die zunehmende Auflösung veralteter Geschlechtsrollenmodelle im Arbeitsleben führt insbesondere bei Müttern zu gesundheitlichen Risiken. Anforderungen an eine gleichberechtigte Erwerbstätigkeit, Flexibilität und Mobilität von Frauen sind stark gestiegen, während der Haushalt und die Versorgung der Kinder und pflegebedürftigen Angehörigen nach wie vor in den meisten Familien nicht gleichberechtigt geteilt werden. www.muettergenesungswerk.de;

Ein weiteres wichtiges Thema in der Gleichstellungsarbeit ist das Berufswahlverhalten junger Frauen und Männer. 

Das Bundesinstitut für Berufsbildung listet in Deutschland insgesamt 348 verschiedene anerkannte Ausbildungsberufe auf. (Stand: August 2010). Trotz dieser Vielfalt wählen 75% aller Auszubildenden aus lediglich 44 Berufen aus. Dabei zeigt sich, dass die jungen Frauen und Männer ihre Berufe sehr stark nach geschlechterstereotypen Norm- und Wertvorstellungen auswählen. Mädchen suchen sich also Berufe, die als typisch weiblich gelten (z.B. Friseurin, Verkäuferin oder medizinische Fachangestellte) während Jungen sich mehr auf Berufe (z.B. Kraftfahrzeugmechatronik, Lagerwirtschaft, Innenausbau) konzentrieren, die traditionell als Männerberufe gelten. Eine Ausnahme bietet der Beruf des Einzelhandelskaufmannes, der bei den Jungen auf Platz 1 der gewählten Ausbildungsberufe steht.

Fünf von zehn der männlichen Auszubildenden wählen ihren zukünftigen Beruf aus den zehn Berufen, die bei Jungen am Beliebtesten sind. Bei Mädchen ist die Berufswahl noch stärker eingeschränkt – hier wählen sechs von zehn aller weiblichen Auszubildenden Berufe aus dem Spektrum der zehn bei Mädchen beliebtesten Berufe.

Eine Initiative, die Jugendlichen ermöglichen will, ihr Berufswahlverhalten zu erweitern, ist der jährlich stattfindende Girls’ Day. Am vierten Donnerstag im April haben Mädchen einen Tag lang Gelegenheit, in Berufe hineinzuschnuppern, die sie nicht in die Auswahl nehmen würden, die aber ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten und ihren Neigungen entsprechen würden.

Im Frühjahr 2011 wurde ergänzend zum ersten Mal bundesweit der Boys’ Day angeboten, der auch Jungen die Möglichkeit gibt, Berufe jenseits von Geschlechtergrenzen auszuprobieren.

Der nächste Girls' Day und Boys' Day findet am 27. April 2017 www.girls-day.de und www.boys-day.de  statt. Die Stadt Glinde beteiligt sich regelmäßig daran.

Ein Tag im Jahr reicht jedoch keineswegs aus, um derart fest in der Gesellschaft und im Bewusstsein der Mädchen und Jungen verankerte Vorstellungen davon, welche Berufe für Frauen oder Männer angemessen sind, zu verändern. 

Berufe wie Altenpflegerin, Einzelhandelskauffrau, Erzieherin, Friseurin oder Gesundheits- und Krankenpflegerin, die zu den von Mädchen am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen zählen und in denen Frauen die Mehrheit der Beschäftigten sind, haben häufig Arbeitszeiten, die nur schwer mit Kindern zu vereinbaren sind und es werden niedrige Löhne gezahlt.

Mir ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen andere (berufliche) Wege im täglichen Miteinander zu zeigen und sie bei der Entwicklung ihrer tatsächlichen Interessen und Fähigkeiten zu unterstützen.

Als Gleichstellungsbeauftragte helfe ich mit, darauf zu achten, dass die Beschäftigten in den Kinder- und Jugendeinrichtungen der Stadt über das nötige Wissen, dass ihnen dies ermöglicht verfügen, oder es sich aneignen können. Auch aus diesem Grunde beteilige ich mich an Personalauswahlverfahren und an der Planung und Durchführung von Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen mit dem Thema Gender.

zurück zur Startseite